An Bord meines Kamels

An Bord meines Kamels

Die Wüstenzeitung…tja. Gibts das Ding jetzt echt schon sechs Jahre? 639 Einträge – das macht jeden dreieinhalberten Tag eine Nachricht. Eher lame im Vergleich zu einigen fleißigen Bienchen im Freundeskreis.
Andererseits – da tut sich auch nicht mehr wirklich viel. Ich meine jetzt weniger die sparsam gestreuten Kommentare. Meinungen sind halt… Meinungen. Jeder hat seine eigene. Oder keine. Aber artikelmäßig war [auf dem LiveJournal Blog] schon deutlich mehr los. Außerdem ist LJ eher die Lifestyle-Ecke. Anspruchsvolle Blogs, die mehr als Eintagsfliegenleben bieten, suchst du mit der Lupe. Ein Ort wie Blogspot oder WordPress, wo man in eine aktive Community eingebunden ist, würde mich schon irgendwie reizen, auch wegen null Werbung. Beide haben allerdings Beschränkungen, die einen Import der alten Einträge verhindern.
Muss noch ein wenig über diesen Umzug brüten, wie auch über einige andere Dinge, die dann wieder in der Wüstenzeitung zu lesen sein werden.

Ich habe grade überlegt, woher eigentlich der Name kommt. Bin mir selbst nicht mehr sicher. Ich weiß nur noch, dass ich seinerzeit wegen Cloudi von 20six nach LJ rübergewechselt bin und gleichzeitig eine Seite für das MMORPG “Kemet – A Tale in the Desert” aufgemacht habe. Es hatte wohl was damit zu tun.
Ich mochte, und mag es immer noch, das Günter Eich Zitat “Seid unbequem, seid Sand. Nicht das Öl im Getriebe der Welt”. Und manchmal kam ich mir auch vor wie der Rufer in der Wüste. In Auroville, da war ich tatsächlich in der Wüste. Zumindest einer, die mit massiven Mengen grüner Tapete wieder in eine Oase verwandelt worden ist.

Seit meiner Rückkehr aus Auroville empfinde ich Deutschland intensivst wie ein soziales Ödland, das ich nur noch mit sehr viel Kraftaufwand ertrage. Schon am Flughafen schlug mir eine Welle von Aggress entgegen. Hektik. Ungeduld. Emotional aufgeheizte Luft. Der erste telefonische Kontakt mit meinem ex Geschäftspartner in spe – er will Geld. Verdammt noch mal. Merkt hier überhaupt noch einer, was abgeht?

Trotzdem wird es zunehmend still in mir selbst. Die Dinge verlieren ihre Dringlichkeit. Eile betrifft mich nicht. Nachrichten sind leere Worte. Eigentlich sind alle Worte leere Worte, die keiner Erwiderung bedürfen. Selbst meine eigenen. Lustig, dass der selbe Prozess, der einem die Scheuheit nimmt, zugleich für Stille sorgt. Ich lese Theodore Roszak; das gibt mir eine Menge neuer Querverbindungen. Wirklich toller Stoff. Und nichtsdestotrotz alles Illusion. Schreiben, so gern ich es noch immer tu, ergibt nicht mehr wirklich Sinn, ist wie pieseln… fließt einfach so raus.

Widerspricht so ziemlich dem, was weiter oben gesagt worden ist, oder?
Ich sehe die Diskrepanz deutlich.
Überhang. Rotverschiebung. Nachhall. Phantomschmerz.
Adyashanti zuzuhören, der vorhersagt, dass so etwas eintreten kann, macht mich lachen. Ich habe noch keinen rechten Schritt zur Tür hinein getan. doch schon bin ich es, der vor der Frage steht, ob ich werde schreiben können. Ich habe noch genügend Stoff, ich spüre es. Doch wenn es eine solche Frage sein sollte, die mich vom nächsten Schritt abhält, dann schmeiß ich das Schreiben samt Computer lieber ganz über Bord.

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