Die Straßen von Auroville

Die Straßen von Auroville

Am letzten Tag unserer Volunteer Tour musste ich nicht weit fahren. Direkt vor dem Tor von Windarra liegt Saracon, ein Gebäudekomplex, in dem einige von Aurovilles Startup-Unternehmen angesiedelt sind, u.a. die Open Source Gruppe “Blue Light”, ein Forschungszentrum für elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel und ein ÖPNV-Projekt. Sie zahlen keine Miete, sondern kommen gemeinschaftlich für den Unterhalt des Gebäudes auf. Und sie geben sich gegenseitig kostenlos Waren und Dienstleistungen. Eine Mini-Ökonomie, die es verdiente, in größerem Maßstab ausprobiert zu werden. Taj von Auroville Transports erzählte ein wenig von den örtlichen Verkehrsproblemen bzw. auf welche Weise man versucht, ihrer Herr zu werden. Dass es in einer Gemeinschaft wie dieser beispielsweise wenig Sinn ergibt, den Leuten Vorschriften zu machen. Denn nicht nur werden sie Wege finden diese zu umgehen (wie man überall in der Welt beobachten kann), und nicht nur bräuchte man Polizei, Kontrollen, Strafen, was hier völlig fehl am Platz wäre. Man muss in Betracht ziehen, dass Auroville einem Zweck dient, dieser Zweck ein gewisses Bewusstsein voraussetzt und dass, wenn die Einwohner sich weigern ein gerüttelt Maß davon in ihr Alltagsverhalten einfließen lassen, das gesamte Stadtprojekt der Erhaltung nicht wert ist.
Die Antwort lautet: Verkehrsplanung im Geist der Nächstenliebe. Wenn man vorhat, Fußgänger und Radfahrer vor den meist benutzten motorisierten Zweirädern zu Königen der Straße zu machen, muss man sich ein bisschen was einfallen lassen. Ich gehe jetzt nicht auf einzelne Maßnahmen ein. Im Prinzip läufts darauf raus, den Komfort für die beiden erstgenannten Gruppen dermaßen anzuheben und für den Motorverkehr abzusenken, dass die Entscheidung umzusteigen leicht fällt und Durchgangsverkehr praktisch ganz wegfällt. Schikanen, Regeln, Kontrollen und Sanktionen gehören wie gesagt nicht zum Katalog. Die Entscheidung, welches Vehikel in welcher Geschwindigkeit auf welchem Weg einen ans Ziel bringt, bleibt beim Fahrer.

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