Industrial Zone

Industrial Zone

Sonntag. Eigentlich sollte das ein ganz normaler Tag in Auroville sein. Außer den gesetzlichen indischen und den städtischen Feiertagen sollte das Leben ganz normal weitergehen. In der Praxis hat es sich jedoch ergeben, dass ein gewisser Rhythmus belebender wirkt. Und sicher hat es auch eine Rolle gespielt, dass mehr als die Hälfte der Einwohner aus westlich orientierten Ländern stammt. Jedenfalls herrscht weitgehend tote Hose.


(Das Rädle, mit dem ich rumfahr)

Die Temperaturen liegen heute Morgen bei angenehm kühlen 25°C. Ideal für eine kleine Spritztour. Da Vérité in der künftigen “Industrial Zone” von Auroville liegt, bin ich mal mit dem Radl drin rumgefahren. Der Wald ist überall relativ dicht. Es liegen jedoch viele Einzelhäuschen und Baugruppen am Rand der Staubpisten, und viele haben auch irgendein Gewerbe am Laufen.
Bei der Stadtgründung hat man sich das so gedacht, dass die Nordwestecke von Auroville vorwiegend durch produzierende Aktivitäten außerhalb der Landwirtschaft genutzt wird und dass dies von der Zielsetzung her nicht dem Profit, sondern dem Selbsterhalt der Stadt dient. Stellenweise übergehen Einzelne diese Regel, aber insgesamt ist Auroville immer noch im entsprechenden Fahrwasser. Menschen arbeiten hart dafür, dass alles läuft und sie tun es mit großer, spürbarer Freude. Ich höre niemanden über seinen Job oder die Arbeitsbelastung jammern. Im Gegenteil, ständig die Frage, was man sonst noch zum Allgemeinwohl beitragen kann.
Die Leute suchen – und finden – andere Arten zu leben als den Western style. Hier gibt es deshalb nirgends Patentlösungen. Man tauscht zwar Erfahrungen aus, aber jeder regelt die Dinge auf seine Weise. Im Vergleich zum Umland stellt Auroville – ich habe es selbst gesehen – eine Sphäre des Wohlstands und einen Grad der Ordnung dar, der seinesgleichen sucht. Man muss zwar Abstriche machen, aber wenn man sich nicht auf bestimmte Vorbedingungen versteift, kann man hier auch den Komfort finden, den man von Europa gewohnt ist. Da sind Büchereien, Internetcafes, Shops, Parks, Strand. In den Häusern gibt es Strom, Wasser, Telefon, Keramiktoiletten, Ventilatoren und was sonst noch dazugehört.
Und was das Lebensgefühl angeht, erscheint mir das Dasein hier so viel entspannter als zuhause, wo du ohne Geld keine Chance hast, ein menschenwürdiges Leben zu führen.

In Vérité:

Die Vérité-Bibliothek:

Der Einstieg in mein Baumhaus mit dem hübschen Namen “Joy”:

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