An-aus-an-aus-an… ich glaube, er hat den Grünschalter gefunden.

An-aus-an-aus-an… ich glaube, er hat den Grünschalter gefunden.

Sie versucht es immer wieder, diese Vergangenheit, mit der ich aufgewachsen bin. Sie sendet mir Angst in Wellen. Und immer wieder verlangt sie Einlass, fordert ihr Recht, möchte das Rad zurückdrehen. Aber es gibt kein Zurück zur Isolation. Die Mauern sind gefallen. Wer jetzt in Furcht einer feindlichen Umwelt gegenübersteht, wird schlotternd, mit heruntergelassenen Hosen, erwischt. Es stehen Veränderungen an. Große Veränderungen für einen, der im Leben nichts anderes kennengelernt hat als deutsche Biografien: Kindergarten Schule, Ausbildung, Job, Hochzeit, Nestbau… Rente, Tod. Winzige erste Schritte für einen Geist, der in Gedanken schon ein Stück weit herumgekommen ist, der sich aber gerade erst dem menschlichen Universum öffnet.
Ja, da ist eine gewisse Sorge. Ich kann sehen, wie sie zappelt, wie sie versucht, an mein Ich zu appellieren, um es in seinen vertrauten, wenn auch perspektivlosen Verhältnissen gefangen zu halten. Mutter Kultur fürchtet um ihren missratenen Sprössling. Je lauter sie jammert, desto deutlicher nehme ich sie wahr. Ihre oberflächliche Beliebigkeit, die sich in der oberflächlichen Beliebigkeit meines Ich manifestiert. Es bedarf nur eines geringen Aufwandes – und plötzlich ist da Stille, die Platz schafft für Vorfreude. Die Furcht ist fort, weil da nichts ist, das verletzt werden kann.
Die Freiheit von Furcht ist nicht die größte Befreiung, die ein Mensch erreichen kann, aber ich empfinde sie als ungeheuer wertvoll, weil sie einerseits keiner Proklamation bedarf wie die Freiheit der Rede, oder des staatlichen Schutzes wie die Freizügigkeit, und weil sie andererseits das Tor öffnet für die Freiheit zur Freiheit, in der der Geist die Fesseln der materiellen Welt abstreift, ohne sie verneinen zu müssen.

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