Am Ende stehst du allein da

Am Ende stehst du allein da

Ich beobachte seit langem, dass Menschen ohne Not Ankündigungen machen, Verträge eingehen oder Versprechen äußern, deren Erfüllung sich dann ewig hinauszieht, um schließlich gekippt zu werden. Es ist zwischenzeitlich schwer, diese Leute zu erreichen oder Antwort auf Fragen zu bekommen. Gesprächstermine und Deadlines platzen in Serie, aber die Sache selbst wird bis zu ihrem plötzlichen Ende nie in Frage gestellt.

Dabei ist es unerheblich, ob sie die Äußerungen gegenüber oberflächlich Bekannten, Kollegen, Familienmitgliedern oder Freunden abgegeben haben, oder ob sie eventuell sogar noch ein persönliches Interesse mit der Sache verbindet. Es ist egal, ob man sie drängt oder in Ruhe lässt, ob man freundlich bleibt oder Tacheles redet, Vertrauen beweist oder Kontrollen durchführt. Es ist gleichgültig, ob Geld fließt oder nicht. Und es gibt auch eine ungeheure Bandbreite von Gründen, die die Auftragnehmer für ihre Inaktivität ins Feld führen. Es kommt praktisch immer auf das Selbe hinaus:

Am Ende stehst du allein da.

Für das, was Gegenstand der Absprache war, ist es fast oder ganz zu spät – und du hast einen weiteren Freund an die um sich greifende Unzuverlässigkeit verloren.
Meist sind sie selbst es, die einem nicht mehr in die Augen sehen können, aber natürlich haben oft auch auf der Gegenseite Wut und Enttäuschung ihr Werk getan.

Solche Vorgänge beobachte ich wie gesagt schon seit sehr langer Zeit, und zwar nicht nur bezüglich meiner eigenen Angelegenheiten, sondern auch in den Händeln anderer Leute und ebenso im Gebaren von Unternehmen. Da ist kein persönlicher Defekt, welcher das unbefriedigende Ende speziell meiner Aufträge unausweichlich macht. Es geschieht überall, ständig.
Trotzdem frage ich mich in jedem einzelnen Fall, inwieweit es an mir gelegen haben könnte. Manchmal, ja, war es mein Verschulden, und ich habe mein Verhalten daraufhin geändert. Aber es erklärt nicht die Masse der gleichartigen Vorgänge und ich habe bisher auch noch nicht zur Ursache durchdringen können.

Ich kann nur vermuten, dass wir, weil unsere schnelllebige Umwelt dies verlangt, laufend unsere Prioritäten ändern. Wir verlernen dabei, Werte wie Ehre, Wahrhaftigkeit, Zuverlässigkeit oder Treue zu schätzen, welche ja klare Maßstäbe und feste Prioritäten verkörpern. Wir streben sie nicht an, weil sie letztlich dem Ticken der Uhr zuwiderlaufen, und darum sind wir womöglich immer weniger in der Lage, ein Projekt zuverlässig zu Ende zu bringen. Selbst wenn das unserem Ansehen schadet. Ich glaube zwar nicht, dass das die ganze Wahrheit ist, aber sicherlich näher dran, als puren Zufall am Werk zu sehen.

Einträge wie diesen sollte man eigentlich für Kommentare blockieren, weil emotionale Reaktionen vorprogrammiert sind. Da ich aber nach bestem Wissen eine Beobachtung zu beschreiben versucht habe, ohne jemanden dafür zu verurteilen, und da ich niemand, der sich vielleicht doch geprügelt fühlt, den Eindruck vermitteln möchte, ich würde nicht auch einstecken können, bleibt die Tür offen.

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