Namen sind mächtig. Die Mumie, Speed, Fluch der Karibik, The Matrix, Star Trek NG/DS9/Voyager, King Kong und viele andere Filme beweisen es. Der Inhalt kann noch so sehr abweichen, noch so dümmlich sein – wenn die Urfassung erfolgreich war, werden Remakes ebenso wie Fortsetzungen hirnlos gekauft. Wäre es also nicht längst wieder Zeit für Buck Rogers? *schauder* Immerhin erscheint diesen Monat eine DVD-Auflage der alten Folgen.
Bei Planet der Affen handelt es sich um eins der extremeren Beispiele. Jede der zahlreichen Varianten baut zwar auf einer gemeinsamen Kernstory auf. Rahmen, Details der Handlung, Charaktere sowie Qualität der Umsetzung unterscheiden sich dagegen stark.
Hab mir unlängst alle greifbaren deutschsprachigen Versionen reingezogen. Ich mag den Stoff und ich fand es kurzweilig, nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zu suchen.
Pierre Boulle: La planète des singes (1957)
Drei französische Forscher brechen von der Erde zum Beteigeuze-System auf. Sie begegnen einer schönen Wilden und werden gemeinsam mit deren Stamm bei einer Treibjagd von Affen gefangen genommen. Dank zweier Schimpansen-Biowissenschaftler gelingt ihnen die Flucht vom Planeten, den zahme Affen vor 10.000 Jahren von den Menschen übernommen hatten. Ein Geheimnis, das Angehörige des Primaten-Establishments gern gewahrt wissen wollen.
Bei der Rückkehr müssen die Flüchtlinge feststellen, dass sich auch die Erde, auf der seit ihrer Abreise mehrere Jahrhunderte vergangen sind, inzwischen fest in Affenhand befindet.
Pierre Boulles Buch, das die Vorlage zur Erstverfilmung war, klingt an vielen Stellen naiv und vertauscht im Grunde lediglich die Rollen von Affen und Menschen, um unseren Überlegenheitsphantasien einen Spiegel vorzuhalten. Erhobene Zeigefinger werden kostenlos in voller Länge mitgeliefert, wie es während der 50er Jahre allgemein üblich war. Siehe beispielsweise Frühwerke von Lem, Asimov oder auch dem am vergangenen Mittwoch verstorbenen Clarke.
Übrigens hat das Buch noch eine kleine Rahmenhandlung, die in keiner der anderen Story-Versionen auftaucht, dem Stoff jedoch zusätzliche Würze verleiht: Der Bericht der französischen Forscher befindet sich in einer Flaschenpost, die von terranisch-äffischen Weltraumurlaubern aus dem All gefischt wird. An Wahrheitsgehalt vermögen sie nicht zu glauben.
Michael Wilson u.a. (Drehbuch), Franklin J.Schaffner (Regie): Planet of the Apes (1968)
Der Film mit Charlton Heston in der Hauptrolle beginnt mit einer amerikanischen Shuttle-Langzeitmission von der Erde aus. Als das Raumfahrzeug über einem unbekannten Planeten abstürzt, wird die Mannschaft aus ihrer Stasis geweckt. Man begegnet wieder einer schönen Wilden und ihrem Stamm, die von Affen eingefangen werden. Auch in dieser Version überlebt letztlich nur einer der Erdmenschen, Taylor. Er kann dank Hilfe zweier Schimpansen-Biowissenschaftler mit der Wilden fliehen, muss jedoch entdecken, dass er keine Raum-, sondern lediglich eine Zeitreise hinter sich gebracht hat. Er befindet sich auf der Erde des Jahres 3978, 1010 Jahre in seiner eigenen Zukunft, wo zahme Affen nach einer nuklearen Apokalypse die Macht an sich gerissen haben. Wiederum sind eingeweihte Kreise daran interessiert, dass die Wahrheit über die Entstehung des Affenstaates unbekannt bleibt.
Der Erstverfilmung folgten bis 1973 vier Fortsetzungsteile, die u.a. klären, wie es so weit hatte kommen können. Es gibt einige Schlüsselszenen mit großer Symbolbedeutung, z.B. die Entdeckung der zerstörten Freiheitsstatue, die zwar eigenständig, doch sehr eindrücklich Boulles Kritik an der Kurzsichtigkeit menschlicher Verhaltensweisen aufgreifen.
Als 6-DVD-Box 2001 unter dem Titel „Planet der Affen – Special Edition“ (457min) und 2005 unter dem Titel „Planet der Affen – Die Saga“ (455min) neu aufgelegt.
Michael Avallone: Beneath the Planet of the Apes (1970)
Dt.: Rückkehr zum Planet der Affen, ist das Buch zum gleichnamigen zweiten Teil der Erstverfilmung. Auf der Suche nach der verschollenen Taylor-Expedition landet Brent im Jahr 4955 nahe dem alten New York, wo die Affenzivilisation die endgültige Ausrottung des Menschen anstrebt. Neben den stummen, primitiven Dschungelbewohnern an der Oberfläche leben technisch hochentwickelte Mutanten, die DIE BOMBE anbeten, in einer unterirdischen Metropole. Erinnert ein ganz klein wenig an Eloi und Morlocken aus Wells‘ Zeitmaschine, spielt aber auf das Wettrüsten des Kalten Krieges an.
Der alles vernichtende Endkampf wurde filmisch wie literarisch (ahem) schwach umgesetzt.
Das vorliegende Buch hat zwar seine nachdenklichen Momente, kann auf lediglich 140 Seiten aber nicht erreichen, was schon der Film missen ließ: Niveau.
Die Rahmenhandlung des Buches spiegelt eher den ’68er Zeitgeist als das Zwiegespräch eines unbekannten außerirdischen Lehrmeisters mit seinem Schüler.
David Gerrold u.a.: Battle for the Planet of the Apes (u.a., 1973 ff)
Fünfteilige, im 31.Jh. spielende Buchreihe aus der „Terra“-Reihe des Groschenverlages Pabel.
Wer hätt’s gedacht, der kommerzielle Erfolg der Filmserie sollte ein weiteres Mal gedruckt zu klingender Münze gemacht werden, wobei die Terra-Heftchen nur sehr lose an ihre filmische Vorlage angelehnt und in ihrer reißerischen Niveaulosigkeit schwer zu ertragen sind.
William Broyles u.a. (Drehbuch), Tim Burton (Regie): Planet of the Apes (2001)
Die Neuverfilmung beginnt 2029 auf einer amerikanischen Raumstation irgendwo in einer anderen Galaxie. Affen sind dort halbintelligente Diener bei der Ausführung von Routinearbeiten. Als ein Schimpanse in einem Magnetsturm verloren geht, folgt ihm Leo Davidson, sein menschlicher Ausbilder, stürzt jedoch auf einem unbekannten Planeten ab. Während der obligatorischen Treibjagd begegnet der Held seiner schönen Wilden und ihrem Stamm und wird mit ihnen gemeinsam von den Affen gefangen und versklavt. Sie landen im Haushalt einer Familie aus Regierungskreisen, flüchten jedoch noch in der ersten Nacht mit Hilfe des menschenfreundlichen Töchterchens.
Auf der Suche nach seinem vermeintlichen Rettungskommando entdeckt der Held, dass er vom Magnetsturm 3000 Jahre in die Zukunft geschleudert worden ist, während die Raumstation längst am Boden zerschellt liegt. Das erklärt die Herkunft der Affenzivilisation ebenso wie die Gegenwart primitiver Menschenpopulationen.
Es kommt zu einer finalen Schlacht zwischen Menschen und Affen, die in einer Aussöhnung endet. Dem Helden gelingt die Rückkehr zur Erde. Diesmal ohne seine blonde Eroberung. Leider muss er – Ironie des Schicksals – feststellen, dass ihm die Affen zuvorgekommen sind…
Ein Film ohne sittlichen Nährwert. Entstanden allein um des düsteren Grusels und der Effekte Willen. Konzept und Details sind eher weniger glaubhaft, als in der 68er Version. Während übrigens Boulles Affen eigene Sprache und Schrift entwickelten, ist den beiden Movies gemein, dass nach Jahrtausenden selbstverständlich alle Parteien die selbe Lingua sprechen.
William T.Quick: Planet of the Apes (2001)
Bücher zum Film sind bis heute schnell verdientes Geld. Natürlich gibt es daher auch eine Buchfassung der Neuverfilmung, die sich fast wortgetreu ans Drehbuch hält. Wie so oft langweilige Lektüre, die mit fürchterlich verkürzten Spannungsbögen, fehlender Charaktertiefe (geschweige denn -Entwicklung) und vorhersehbaren Klischeehandlungen glänzt.
Darüber hinaus unterschlägt Quick ganz einfach die Schlusspointe. Die Story endet, als der Held den Planeten der Affen verlässt *gähn*